natürlich GESUND
Mittwoch, 14.05.2008      





Heilpflanzentherapie bei Nieren- und Blasenerkrankungen

Neben der Haut, der Lunge, der Leber und dem Darm, ist die Niere eines der wichtigsten Filter- und Reinigungsorgane unseres Körpers. Sie unterstützt unsern Körper bei der Ausscheidung von Giftstoffen und von belastenden Substanzen. Ihre Aufgabe ist es ausserdem, den Wasserhaushalt im Körper zu regulieren und die Konzentration der Körperflüssigkeiten und den Säure- Basenhaushalt im Gleichgewicht zu behalten.

Eine geschwächte Nierenfunktion signalisiert eine Störungen in der "körpereigenen Filteranlage". So wurde bereits vor Jahrhunderten der Urin dazu benutzt, um Krankheiten zu diagnostizieren. Aus seiner Beschaffenheit, der Farbe, des Geruchs und der Menge, welche der Patient innerhalb 24 Stunden ausschied, wurden Rückschlüsse auf den Krankheitszustand des Menschen geschlossen. Harnwegsinfekte kommen oft vor und betreffen Frauen im allgemeinen häufiger als Männer. Die Krankheitssymptome können still verlaufen, sich jedoch auch durch Schmerzen in der Lendengegend und dem dauernden Drang Wasser zu lassen bemerkbar machen. Wenn zu den Symptomen noch Fieber und Schmerzen beim Urin lassen kommen, kann es sich um eine Blasen- oder Nierenerkrankung handeln. Wenn Bakterien in die Blase eindringen und die Schleimhaut sich entzündet, kann eine Blasenentzündung - Cystitis- daraus entstehen. Frauen sind häufiger von dieser Erkrankung betroffen als Männer, denn bei Frauen ist der Harnröhrenabschnitt kürzer und daher gelangen Bakterien leichter in die Blase und verursachen dort eine Infektion. Männern sind oft erst im zweiten Lebensabschnitt davon betroffen, wenn bei einer Prostatavergrösserung eine Restmenge an Harn in der Blase verbleibt, welche dann Auslöser für wiederkehrende Harnwegsinfekte sein kann.

Schmerzen beim Loslassen

Rüdiger Dahlke beschreibt in seinem Buch "Krankheit als Symbol" die psychosomatischen Hintergründe von Nieren- oder Blasenerkrankungen. Er ordnet die Nieren dem inneren Gleichgewicht und der Partnerschaft zu. Nierenbeckenentzündungen können, seiner Ansicht nach, den Ursprung in partnerschaftlichen Problemen haben, welche ungenügend gelöst oder gar zu einer Erstarrung in der Paarbeziehung geführt haben. Eine Harnröhrenentzündung bezieht Dahlke auf einen Konflikt im "Abwasserentsorgungssystem". Eine innere Seelenanspannung verhindert das Loslassen negativer seelischer Erlebnisse. Die Erkenntnis, diesen Schritt der Weiterentwicklung zu tun, ist dabei - nach Dahlke- vorhanden, nur die Umsetzung auf der Alltagsebene hat noch nicht stattgefunden. Loslassen ist hier nur in kleinen und winzigen, manchmal schmerzhaften Prozessen möglich. - Eine mögliche Deutung der Erkrankung auf psychosomatischer Ebene.

Übertriebene Hygiene

Blasenentzündungen können jedoch auch andere Ursachen haben. Eine davon kann eine übertriebene Intimhygiene sein. Wer seinen Intimbereich allzu oft mit hautreizenden Pflegemitteln, Intimsprays, feuchtem Toilettenpapier, lokalen Verhütungsmitteln oder mit Spermiziden beschichteten Kondomen "pflegt", sollte bei wiederkehrenden Blasenentzündungen zuerst einmal 4 Wochen auf all diese Zusätze verzichten. Die Intimgegend kann sich so erholen und der natürliche Säureschutz der Haut baut sich wieder auf.

Andere mögliche Ursachen für die Erkrankung können sein: Unterkühlung, ein geschwächtes Immunsystem, dünne Schleimhäute bedingt durch einen Östrogenmangel, eine zu geringe Tagestrinkmenge und zu hohe Stressbelastungen beruflicher oder auch privater Art. Im Volksmund ist der Ausspruch, "das geht mir an die Nieren" ein Synonym dafür, dass mich etwas zu sehr belastet und meine Persönlichkeit damit auf körperlicher wie auch auf seelischer Ebene zu stark beansprucht wird. Weiter können Unterkühlung um die Hüftgegend- Bauchfreizone, nasskalte Füsse und auch zu scharfes Essen eine Nieren- Blasenerkrankung begünstigen.

Harntreibend oder antibakteriell

Heilpflanzen, wie die Brennnessel, Goldrute, Birke, Petersilie, Liebstöckel, Wacholder, Katzenbart, Weideröschen, Hagebuttenkerne, Löwenzahn, schwarze Johannisbeeren und auch der Ackerschachtelhalm unterstützen unseren Körper bei Nieren- Blasenentzündung und begleiten den Heilungsprozess.

Die Phytotherapie arbeitet bei der Behandlung einer Blasen- Nierenerkrankung auf zwei Ebenen. Die eine ist die Verabreichung von harntreibend wirkenden Heilpflanzen. Damit soll eine höhere Durchspülung der Harnorgane erreicht werden. Heilpflanzen, die sich in diese Kategorie einreihen sind: Ackerschachtelhalm, Birke, Brennnessel, Goldrute, Hauhechel, schwarze Johannisbeere, Katzenbart, Liebstöckel, Löwenzahn, Petersilie, Quecke, Wacholder, Hagebuttenkerne und das Weideröschen.

Die andere Behandlungsebene beinhaltet Heilpflanzen, welche als Harnwegsdesinfizienzien bakterienhemmend wirken. Zudem verhindern sie eine Resistenzentwicklung der krankmachenden Keime. Dies wirkt einer immer wiederkehrenden Harnwegserkrankung entgegen. Zu den pflanzlichen Harnwegsdesinfizienzien zählt man z:B. Bärentraubenblätter, Goldrute, Kapuzinerkresse, Meerrettich, Preiselbeeren, ihre amerikanischen Schwestern die Cranberries und auch die Immunsystem unterstützende Echinacea purpurea, den roten Sonnenhut.

Kapuzinerkresse und Meerrettich gehören zu den pflanzlichen Antibiotika. Dank ihren starken Inhaltsstoffen, den Senfölglykosiden, haben sie eine keimtötende und desinfizierende Wirkung auf verschiedene Bakterienarten. Fertigpräparate aus Kapzuinerkresse und Meerrettich, die ausserdem das Immunsystem unterstützen, sind im Handel als Dragées oder Frischpflanzentinkturen erhältlich.

Starke Hilfe: Preiselbeeren

Preiselbeeren wachsen in unseren Wäldern dort, wo der Boden humusartig ist. In Regionen, wo Heidegewächse und Kiefernbestände vorherrschen. In Hochmooren finden wir die roten Früchte des Zwergstrauchs gemeinsam mit den blauen Beeren der Heidelbeeren bis weit in den Herbst hinein. Die Preiselbeere liebt, wie auch andere Erikagewächse, einen sauren Boden als Standort. Als Erkennungszeichen dienen die braunen Flecken unter den Blättern, welche sie von der Bärentraube, die ebenfalls als Nieren- Blasenpflanze verwendet wird, deutlich unterscheidet.

Für die Heilanwendung bei Nieren- Blasenerkrankung und auch bei Reizblase, werden die Blätter und auch die Früchte der Preiselbeere verwendet. Im Handel sind unter anderem Preiselbeersaft, Trinkgranulat, spagyrische Zubereitungen und Tabletten aus der Wildfrucht erhältlich.

Die Blätter der Preiselbeeren enthalten im Durchschnitt 2-5 % Arbutin- ein sogenanntes „Hydrochinonglykosid“ mit bakterienhemmender Wirkung, Gerbstoffe, Tannin, Benzoesäure, und auch Kalium. Durch diese Inhaltsstoffe wird die Heilwirkung der Pflanze bei Nieren-Blasenerkrankungen erklärt. Die roten kugeligen Früchte des Strauches sind mit den Vitaminen A, B1, B2, B5, B6, C, und E, wichtige Vitaminspender in der kalten Jahreszeit. Bei der Anwendung von Preiselbeerblättern und auch Bärentraubenblättern ist es wichtig zu wissen, dass die harndesinfizierende Wirkung erst möglich wird, wenn der Harn alkalisch ist. Bei saurem Harn, wie er meist vom Körper ausgeschieden wird, kann das Arbutin, welches sich im Magen und Dünndarm in den entzündungshemmenden Wirkstoff Hydrochinon umwandelt, seine Wirkung nicht entfalten. Um eine Entsäuerung des Harns zu erreichen, kann Natron oder Basenpulver eingenommen werden. Eine Ernährungsumstellung auf basische Nahrungsmittel mit viel Gemüse und wenig Fleisch hat denselben Einfluss. Um zu erkennen ob der Urin sauer oder alkalischer Art ist, kann mit Hilfe eines Lackmuspapiers (Drogerie oder Apotheke) der Säure- Basengehalt des Urins bestimmt werden.

Die Zubereitung des Preiselbeertees ist einfach. 1 Teelöffel getrocknete Blätter werden mit einer Tasse kochendem Wasser überbrüht und 5 Minuten zugedeckt ziehen gelassen. Der abgefilterte Tee wird 3-mal täglich frisch zubereitet und nach den Mahlzeiten getrunken. Wer den Tee süssen mag, kann dies mit Honig oder Birnendicksaft tun. Arbutinhaltige Pflanzen, wie Bärentraubenblätter und Preiselbeere, sollten nicht länger als 2 Monate kurmässig eingenommen werden.

Wer unter wiederkehrenden Harnwegserkrankungen leidet, kann vorbeugend Preiselbeersaft trinken. Bakterien, wie Escherichia-coli, welche zu 70% für die Entstehung einer Harnwegserkrankung verantwortlich sind, werden mit einer regelmässigen Einnahme von Preiselbeersaft erfolgreich daran gehindert, sich an den Zellen festzusetzen. Preiselbeersaft wurde in verschiedenen Studien am Thurgauer Kantonsspital Frauenfeld, in der Spezialbteilung des Blasenzentrums ( www.blasenzentrum-frauenfeld.ch ), in Zusammenarbeit mit der Herstellerfirma für Gesundheitssäfte Biotta AG in Tägerwilen, auf die Wirksamkeit bei Nieren- Blasenerkrankungen hin getestet. Laut Forschungsergebnissen sind die gute Heilwirkung im Krankheitsfall und auch die Anwendung des Preiselbeersaftes als Vorbeugungsmassnahme bei Nieren- Blaseninfektionen erbracht und wissenschaftlich belegt.

Goldrute wirkt harntreibend

Um eine gute und ausreichende Durchspülung der Nieren zu erreichen, kann auch die echte Goldrute, die kanadische Goldrute und die Birke, eingesetzt werden. Extrakte der Goldrute verbessern die Nierendurchblutung und bewirken so eine erhöhte Harnbildung. Bakterien, welche sich ansammeln konnten, werden schneller wieder aus dem Körper ausgeschieden. Weiter wirkt die Goldrute entzündungshemmend, krampflösend, schmerzlindernd und antibakteriell. Bei unseren Vorfahren galt die Birke als Baum des Neubeginns. Birkenblätter werden in der Volksheilkunde seit Generationen zu "Blutreinigungskuren" gesammelt und als Tee zubereitet. Medizinische Untersuchungen konnten nachweisen, dass die Inhaltsstoffe der Birkenbätter, wie ätherische Öle, Flavonoide und Saponine, die Harnausscheidung um ein Mehrfaches anregen. Tee-Zubereitung: 2 Esslöffel geschnittene, getrocknete Blätter werden mit 150 ml heissem Wasser übergossen und 20 Minuten ziehen gelassen. Absieben der Blätter. Der Tee kann mehrmals täglich frisch zubereitet und warm getrunken werden. Bei allen harntreibend wirkenden Kräutertees ist es wichtig darauf zu achten, dass der Tee mindestens 20 Minuten ziehen kann. Dadurch wird eine optimale Heilwirkung erreicht.

Wickel und Massagen

Wichtige zusätzliche Massnahmen zur Unterstützung des Krankheitsverlaufs sind ausserdem: warme Heublumenwickel in der Lendengegend, welche die Durchblutung der Nierengegend erhöhen. Eine liebevolle, sanfte Lendengegendmassage mit einem wärmenden Heilöl, zum Beispiel Johanniskrautöl, welches mit wenigen Tropfen ätherischen Rosmarin- oder Wacholderöls angereichert wurde, steigert die Durchblutung und fördert den Heilungsprozess ebenfalls. Danach ist es wichtig, die massierte Gegend mit einem Wolltuch warm zu halten und sich 1 Stunde Ruhe mit einer Tasse Nieren- Blasentee zu gönnen. Warme oder aufsteigende Fuss- und Sitzbäder, ohne Zusätze von Schaumbad wirken entspannend und entkrampfend. Heilkräuterbäder aus Kamillenblüten, Lavendelblüten, Heublumen, Zitronenmelissenkraut und Ackerschachtelhalmkraut sind dazu geeignet. Die Tages-Trinkmenge sollte mindestens 2-3 Liter betragen, welche aus verdünnten Fruchtsäften wie zum Beispiel schwarzer Johannisbeer-, Preiselbeer- und Cranberrysaft oder Nieren-Blasentees bestehen sollte., unterstützen die Ausscheidung der Bakterien wesentlich. Harnwegsreizende Getränke wie Kaffee und Alkohol sowie scharf gewürztes Essen sollten während der Krankheitszeit gemieden werden. Bei lang anhaltenden und sich verstärkenden Symptomen mit Blut im Urin und erhöhtem Fieber, sollte unbedingt ein Arzt die Behandlung begleiten.

Violette Tanner
www.kraeuterwissen.ch

Quellenangaben:
Natürliche Medizin für Frauen M. Lohmann Verlag Knauer
Praxis Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde U. Bühring, Sonntag-Verlag
Lehrbuch der Phytotherapie Fintelmann/Weiss Verlag Hippokrates
Das grosse Buch der Heilpflanzen M. Pahlow Verlag Gräfe und Unzer
Heilpflanzen Apotheker Manfried Pahlow Verlag Moewig


aus Natürlich GESUND - 10. Jahrgang - Nr. 8 - Dezember 2006

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